Nachfolge ist weiblich
Wer hätte gedacht, dass Unternehmer bei der Nachfolgeregelung kaum an ihre Töchter als adäquate Nachfolgerinnen denken? Nur jedes 10. Unternehmen wird an die Tochter übergeben – manchmal auch nur als letzten Ausweg. „Beziehen Sie weibliche Familienmitglieder bei der Nachfolger-Suche mit ein, dies könnte Ihr Problem lösen!“
Dies wurde von Mechthild Kern (Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, Mainz) bei der Podiumsdiskussion „Nachfolge ist weiblich“ am 14.04.2010 deutlich geschildert. In einigen Branchen und Familien, aber auch bei manchen Geschäftspartnern herrschen Vorurteile gegenüber Frauen als Nachfolgerin – zu Unrecht wie die Podiumsgäste und z. B. das Netzwerk „Vinissima – Frauen und Wein e. V.“ zeigen.
Die IHK Koblenz (Bertram Weirich, Patric Raeschke) und die Wirtschaftsjunioren Mittelrhein (Andreas Nonnenmacher, Stefan Weisgerber) freuten sich über zahlreiche Besucher und einen regen Austausch von Informationen, was die Bedeutung dieses Themas unterstreicht.
Maria Wirtz (TMS Unternehmensberatung, Köln) erklärte, wesentliches Merkmal sei die Fachkompetenz und das unternehmerische Denken, das der/die Nachfolger/in mitbringen sollte. Die Nachfolge sollte darüber hinaus von Profis begleitet werden, die rechtlich, unternehmerisch und finanziell beratend zur Seite stehen.
„Gute Nerven – gute Berater – viel Humor!“, ist das Credo von Maria Wirtz.
Iris Steinacker-Creutzfeldt (Steinacker Creutzfeldt, Steuerberater – Wirtschaftsprüfer – Rechtsanwalt),
Karolin König-Kunz (Zum Weißen Schwanen, Hotel Landgasthof),
Melanie Junglas (ARMON, Zeitarbeit und Personaldienste)
und Stephanie Mai (Möbel Puff, Küchen- und Einrichtungshaus)
– diese vier Nachfolgerinnen gaben Antworten auf die Fragen von TV-Mittelrhein Moderatorin Katrin Wolf. Wichtig sei, Praxiserfahrungen in anderen Unternehmen zu sammeln bevor die Geschäftsleitung der eigenen Firma angetreten wird.
Jede Übergabe verläuft unterschiedlich – dies ist abhängig von den jeweiligen Personen, der Situation in der Firma und den einzelnen Herangehensweisen. Ein Patentrezept für eine erfolgreiche Übernahme gibt es nicht.
Kompetenzen klar zu definieren und Schritt für Schritt zu übergeben sei genau so relevant, wie die Kommunikation mit den Kunden und den eigenen Mitarbeitern. Die Akzeptanz als Führungskraft ist nicht automatisch gegeben und ist für beide Seiten ein Entwicklungsprozess. Fachliche Kompetenz ist von enormer Bedeutung, um auch als junge Chefin von den Mitarbeitern akzeptiert zu werden. Auch weibliche Raffinesse und Diplomatie spielen eine wichtige Rolle. Den Mut zu haben, den Übergeber nach Ratschlägen zu fragen ist wichtig, um eventuelle Fehler aus der Vergangenheit nicht noch einmal zu machen.
Eine völlige „Umkrempelung“ des Betriebs sei nicht ratsam. Die Unternehmensprozesse sollten mit Feingefühl an den Markt angepasst werden. So können Umsätze gesteigert und Neukunden gewonnen werden.
Familiärem Druck sehen sich die Unternehmerinnen nicht ausgesetzt. Den elterlichen Betrieb erfolgreich weiterzuführen und auszubauen stellt für sie in erster Linie eine tolle Herausforderung dar.
"Eine fachlich und emotional ansprechende und gelungene Veranstaltung", so die abschließenden Worte von Bertram Weirich (IHK Koblenz).
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Ansprechpartner: Stefan Weisgerber
Bericht: Nicole Hesky