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Wer ist eigentlich die Politik? – Wirtschaftskonvent mit Michel Friedman

Die WJ-Mittelrhein luden wieder einmal zu einer außergewöhnlichen Veranstaltung ein. In den Geschäftsräumen des Koblenzer Autohaus Schilling stand Michel Friedman den Wirtschaftsjunioren Mittelrhein unter Moderation von Journalist Franz-Josef Wüst Rede und Antwort zum Thema „Wer ist eigentlich die Politik?“. Eine Frage, die Michel Friedman aus verschiedenen Blickrichtungen betrachtet und seine Meinung dazu klar vertritt.

Hier ein kleiner Ausschnitt aus der Diskussion:

Wüst: Herr Friedman, ist es nicht so, dass die Öffentlichkeit mehr Politik betreibt als die Politiker selbst?

Friedman: Das Betreiben von Politik ist kein Alleinstellungsmerkmal unserer Politiker. Politik wird immer von der Öffentlichkeit und auch von den Medien betrieben.

Wüst: Wie beurteilen Sie die Standhaftigkeit heutiger Politiker?

Friedman: Die Ehrenamtlichkeit sollte bei einem Politiker im Vordergrund stehen, nicht der eigene Karrieregedanke.

Insbesondere zum Thema Engagement in der Politik bezieht Herr Friedman klar Stellung – Politiker sollten Entscheidungen treffen, die dem Projekt dienlich sind und nicht mit Ihren Entscheidungen und Äußerungen auf die nächste Wiederwahl spekulieren. „Große Projekte kommen heute nur langsam voran. Die Politik lebt kaum noch Projekte, denn oft beeinflussen Wahltermine die Entscheidungen der Politiker. Dies ist eine bedenkliche Entwicklung, denn diese Entscheidungen werden oberflächlich, zu schnell und kurzatmig getroffen. Ein Politiker muss Konflikte aushalten können und von seinen Projekten überzeugt sein – heute und morgen. Diese Überzeugung sollte er vertreten, ohne Spekulation auf die nächste Wahl. Es wird auch immer so sein, dass sich erst Jahre später zeigt, wie sinnvoll eine Entscheidung gewesen ist. 90 Prozent der Politiker wissen nicht was sie entscheiden, dafür sind die Themen zu komplex. Vertrauen ist hier ganz wichtig.“

In den neuen Medien, z. B. Web 2.0, liegt eine große Chance für die Politiker, eine direkte Rückkopplung von den Menschen zu erhalten.

Herr Frieman betonte, dass die Zuverlässigkeit der gesetzlichen Regelungen ein Standortvorteil für Deutschland ist. Demokratie beinhaltet auch eine Streitkultur, die wichtig sei, genau so wie die Authentizität des einzelnen Menschen wichtig ist. „Nur weil sich gestritten und diskutiert wird bedeutet das nicht automatisch einen Liebesentzug!“

Intensiv wurden Meinungen zur Migration und Integration ausgetauscht. Auch hier regt seine Darstellung, dass sich Migranten auf Grund ihrer Herkunft oder der Herkunft ihrer Vorfahren nicht selbst ausgrenzen sollten, zum Nachdenken an. „Man sollte seine eigene Identität prüfen, der eigene Hintergrund ist irrlelevant, die gemeinsame Gestaltung ist wichtig. Jeder lebt freiwillig hier! Die BRD ist ein Einwanderungsland und nur mit Geduld und Sozialisation können Parallelgesellschaften aufgelöst werden – eine andere Alternative gibt es nicht.“ Die 150 Unternehmer und Entscheider kamen in den Genuß, Michel Friedman von einer (durch aus auch sympathischen) Seite zu erleben, die man so in den Medien nicht sieht. Eine gelungene Veranstaltung! 

 
 
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